Reisebericht

2x Griechenland mit der Zündapp KS 80

"Was, mit so einer kleinen Maschine willst Du nach Griechenland fahren?" Etwas mitleidig schauten mich einige meiner Kollegen mit Motorraderfahrung kurz vor Beginn der Sommerferien 2001 an. "Damit kommst Du nie die Alpen hoch!" Diese und ähnliche Sprüche hatte ich mir anzuhören, nachdem im Kollegium durchgesickert war, daß ich mit einer Zündapp KS 80 tatsächlich diese Reise antreten wollte. Dabei war das durchaus keine Schnapsidee, sondern hatte seine Vorgeschichte.

Meine Frau Regina und ich sind seit Beginn der 80er Jahre begeisterte Griechenlandfans. Der Balkankrieg hat jedoch unsere bisherige Art, mit dem Campingbus bzw. PKW zu reisen, verändert – wir wurden Flugtouristen. Das hatte jedoch den Nachteil, vor Ort auf Leihfahrzeuge bzw. Taxis angewiesen zu sein.

Auf der Insel Lésvos, die seit 10 Jahren unser Urlaubsziel ist, haben wir einen großen Freundeskreis. Es gibt häufig Anlässe zu Feierlichkeiten, die nicht selten bis in die frühen Morgenstunden andauern. Leider hat man nicht immer ein Fahrzeug zur Hand, um den z.T. entlegenen Ort der Zusammenkunft zu erreichen. Auch ist aufgrund der Arbeitssituation unserer griechischen Freunde nicht immer die Gelegenheit vorhanden, mit jemanden mitzufahren. Mit dem Taxi kann man sich abends ja noch bringen lassen, aber morgens abholen? So war das auch nach einem Bouzoukiabend während unseres Urlaubs im Jahr 2000. Es blieb uns nicht anderes übrig, als mit unserem nicht mehr ganz nüchteren Freund Akis zu dritt auf seiner Enduro zurückzufahren. Auf der Fahrt bin ich tausend Tode gestorben denn es ging im Slalom an einer schroff abfallenden Küstenpiste entlang und ich sah uns schon zerschellt auf den Klippen liegen.

Dieses Erlebnis war der Grund, mich näher mit der Zündapp KS 80 zu beschäftigen, die ich 1987 mit einem Tachostand von knapp 19 000 km von einem ehemaligen Schüler von mir erworben hatte. Sie ist im Juni 1983 erstmalig zugelassen worden und war nur gut drei Jahre angemeldet gewesen. Ursprünglich sollte sie als technisches Anschauungsobjekt für einen Kfz-Technikkurs dienen. Dafür war mir die Maschine aber zu schade und ich mottete sie für einen unbestimmten Zweck ein.

Zunächst hatte ich vor, die Zündapp nach Griechenland zu bringen, um dort ständig ein Fahrzeug zur Verfügung zu haben. Also machte ich mich im Herst 2000 daran, die KS 80 auf eine Neuzulassung vorzubereiten. Während dieser Arbeiten konnte ich mich immer wieder über die gute Qualität dieses Fabrikats freuen.

Im Juni 2001 war es dann soweit – die Zündapp kam anstandslos durch den TÜV und erhielt einen neuen Kraftfahrzeugbrief als richtiges, ungedrosseltes Motorrad.

Vielleicht lächeln jetzt einige eingefleischte Biker, die andere Kaliber gewöhnt sind, aber die KS 80 hat auch ihre Vorzüge:

Schon die 80 km/h-Motorversion mit einem max. Drehmoment von 10,8 Nm bei 5500 U/min weist bessere Werte auf als die meisten 125er Viertakter, die man heute so kaufen kann. Die Zuladung beträgt 195 kg. Zum Vergleich: Die Yamaha FZS 600 Fazer kann nur 180 kg zuladen (siehe PS 5/2002, S. 39). Man kann stundenlang ohne thermische Probleme Vollgas fahren. Die Reisegeschwindigkeit auf ebener Straße liegt deutlich über der von LKW gefahrenen Geschwindigkeit. Man kann sie daher auf Distanz halten und wird nicht von ihnen überholt, aber man braucht sie auch selbst nicht überholen. Dadurch kann man entspannt auf der rechten BAB-Spur reisen. Der Verbrauch liegt solo mit Reisegepäck bei knapp 3,5 Liter/100 km. Mit dem 13,5 Liter-Tank sind über 300 km zu erreichen, ohne die Reserve zu nutzen. Die steuerfreie Maschine kostet mich nur wenige Euro Versicherung im Jahr. Das bescheidene Auftreten mit diesem Fahrzeug hat mir in Griechenland viele Türen geöffnet!

Für die Reise, die am 28.06.2001 beginnen sollte, hatte ich mir einen gebrauchten Krauser K1 Koffersatz mit Topcase gekauft, der auch aus den 80er Jahren stammt und gut zum Gesamtbild des Motorrades paßt.

Zusammen mit einem Tankrucksack war nun genügend Stauraum für das Gepäck vorhanden, das für 6 Wochen reichen sollte.

Ursprünglich war geplant, daß meine Frau wie immer mit dem Flugzeug reisen und ich allein mit dem Motorrad fahren wollte. Es ergab sich jedoch, daß unser erwachsener Sohn David diese abenteuerliche Tour mit mir machen wollte. Nun mußte gewogen und gerechnet werden. Es wurde neben einer Leicht-Campingausrüstung, für Übernachtungen unterwegs, nur das Nötigste mitgenommen. Jetzt machte sich die vergleichsweise hohe Zuladung der KS 80 bezahlt.

Um 5.00 Uhr morgens starteten wir von Hannover aus auf der A7 Richtung Süden. Die Kasseler Berge waren die erste Prüfung, die es zu meistern galt. Doch die brave Zündapp zog locker auf der Mittelfahrbahn an den LKW vorbei. Am Kirchheimer Dreieck konnten wir auf die weniger stark befahrene Rhönautobahn Richtung Würzburg abbiegen und machten unseren ersten Tankstopp an der Raststätte Großenmoor. Wir ließen uns den Kaffee schmecken und schauten amüsiert zu, wie unsere Maschine von zahlreichen Leuten begutachtet wurde. "Gibt´s denn sowas – eine Zündapp!" bzw. "Die hatte ich auch mal" oder "Was ist denn das für eine Marke?" auch "Wieviel Kubik hat die denn?" und "Was läuft die Spitze?", das waren so die Äußerungen, die wir nicht nur hier, sondern auf den meisten Parkplätzen zu hören bekamen. Manchmal standen mehr fachsimpelnde Personen um die KS 80 herum als um manches Fabrikat amerikanischer oder japanischer Herkunft.

Doch allzuviel Zeit wollten wir nicht auf den Parkplätzen verlieren, denn wir hatten vor, am späten Nachmittag bei unseren Freunden Adele und Klaus in Kaufbeuren zu sein. Also ging es bei recht schönem Wetter weiter, ließen die Masse des Verkehrs links an uns vorbeibranden und genossen die Fahrt. Kurz vor Ulm änderte sich leider das Wetter und strömender Regen war angesagt. Trotz gefütterter GoreTex-Bekleidung wurde es ziemlich kalt auf dem Motorrad und wir waren froh, so kurz nach 18.00 Uhr endlich an unser 1. Etappenziel gelangt zu sein. Köstliche Bewirtung erwartete uns und ließ uns schnell Nässe und Kälte vergessen. Nach wohltuendem Schlaf in bayrischen Betten wollten wir eigentlich früh los, aber es gab noch ein fast nicht endendes Frühstück und viel zu erzählen. So wurde es fast 13.00 Uhr bis wir starteten und bei Sonnenschein ging es den Alpen entgegen.

Prinzipiell hatten wir genug Zeit, denn wir brauchten erst am nächsten Tag, den 30.6. um 12.00 Uhr zum Verladetermin auf unsere Fähre in Triest sein. Wir fuhren über Schongau und Garmisch-Patenkirchen Richtung Innsbruck. In Mittenwald ließen wir uns noch einmal die bayrische Küche munden, bevor wir uns an die steile Abfahrt zwischen Seefeld und Zirl wagten. Doch die Bremsen meisterten das schwere Eigengewicht an der 20%igen Stufe des Karwendelgebirges. Nun ging es über den Brenner. Das Motörchen schmetterte sein Lied im 3. Und 4. Gang und es tat mir fast ein bißchen leid. Doch bald neigte sich die Straße wieder abwärts und ich mußte immer wieder darauf achten, daß die Drehzahl nicht zu hoch wurde. Kurz vor Brixen verließen wir die Autostrada und fuhren durch das Pustertal über Bruneck nach Lienz. Wenige km vor der Grenze nach Österreich fanden wir einen schönen Rastplatz, wo wir umringt von einer herrlichen Bergkulisse, im Schein der untergehenden Sonne uns an unserem Proviant gütlich taten.

In Lienz war es bereits dunkel, aber wir waren noch voller Tatendrang. Also fuhren wir über Oberdrauburg zum Plöckenpaß (1362 m) hinauf. Zuerst mußte der Gailberg-Sattel (982 m) überwunden werden. Der schwierigere Teil kam aber nach Kötschach-Mauthen. Ich dachte an die Frozzeleien meiner Kollegen, denn immerhin waren teilweise bis über 15%ige Steigungen zu bewältigen. Schwierig waren zunächst die engen Kehren. Die Drehzahl durfte nämlich nicht unter 5000 U/min fallen. Also früh genug herunterschalten und am Gas bleiben, obwohl der Kurvenausgang noch nicht im Scheinwerferkegel einzusehen war. Die Dunkelheit hatte jedoch den Vorteil, daß man den gelegentlichen Gegenverkehr früh genug sehen konnte, denn um die Kehren optimal fahren zu können, brauchten wir manchmal die ganze Straßenbreite. Das letzte Stück zum Paß führt durch einen langen Tunnel und ist so steil, daß wir aus dem 1. Gang nicht herauskamen. Der Krach, den die Zündapp in der hallenden Röhre fabrizierte, ließ die italienischen Zollbeamten aus ihren Amtbehausungen treten. Wir winkten ihnen zu und verschwanden in der Dunkelheit Richtung Tolmezzo. Vorsichtig rollten wir die schmale gewundene Paßabfahrt hinab, dann wurde die Straße immer besser und das ständig leichte Gefälle suggerierte uns eine wesentlich höhere Motorleistung. Wir kamen flott voran.

Eigentlich hatten wir vor, es noch bis zum Meer zu schaffen, bevor wir ein Nickerchen machen wollten, aber auf der Autobahn nach Udine fing es wieder an zu regnen. Also steuerten wir die Raststätte Zugliano an, um uns unterzustellen. An Schlaf war nicht zu denken, denn es gab nichts auf das wir uns setzen oder legen konnten, keine Bank, nur das Dach der Tankstelle. Also blödelten wir herum und warteten auf den neuen Tag. Im Morgengrauen hörte der Regen auf und weiter ging es nach Triest. Wir hatten etwas Schwierigkeiten, die richtige Anlegemole zu finden, denn unsere Fähre war noch gar nicht da. Bis hierhin hatten wir 1196 km zurückgelegt.

Es war noch ziemlich früh, denn bis zu unserer Abfahrt um 14.00 Uhr waren es noch mehr als 8 Stunden. Gegen 8.00 Uhr kam sie endlich - unsere Fähre "Lefka Ori" aus Griechenland - dieser Koloss von fast 200 m Länge sollte uns für 36 Stunden aufnehmen. Bis wir an Bord konnten, war also noch Zeit und wir befreundeten uns mit griechischen LKW-Fahrern, mit denen wir einen der wenigen vorhandenen Schatten teilten, denn die Sonne brannte inzwischen unangenehm. Mit ihnen verging die Zeit wie im Flug und bald verschwanden unsere Fahrzeuge im Bauch des Schiffes. Als zünftige Biker hatten wir die Deckpassage gebucht und nachdem wir unser Plätzchen eingerichtet, im Schiffsrestaurant gegessen und uns umgeschaut hatten, verkroch ich mich am frühen Abend in meinen Schlafsack und schlief wie ein Murmeltier. Irgend ein Geräusch ließ mich erwachen. Das gleichförmige Maschinenwummern hatte sich geändert. Die Fähre befand sich im Anlegemanöver zur griechischen Hafenstadt Igoumenitsa. Es war schon Mittag. Bis zu unserem Zielhafen Pátra waren es noch 8 Stunden. Der sonnige Nachmittag auf der Fähre im tiefblauen Meer war ein herrliches Erlebnis.

In Pátra angekommen mußten wir uns sputen, einen Campingplatz zu finden, denn die Sonne stand schon ziemlich tief. Auf unserem Weg Richtung Athen, etwa 30 km hinter Pátra, fanden wir ein nettes Plätzchen direkt am Wasser. Mit der Weiterfahrt ließen wir uns Zeit, denn unsere nächste Fähre von Pireás nach Mytilini/Lésvos ging erst um 19.00 Uhr und bis dorthin waren es keine 200 km mehr. Die Fahrt am Golf von Korinth entlang muß man einfach genießen. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings das starke Verkehrsaufkommen, je mehr man sich Athen nähert. Mit der Dreistigkeit mit der sich einheimische Zweiradfahrer in Staus bewegen, konnten wir nicht mithalten. Wir kamen aber mit genügend Zeitpolster im Hafen von Pireás an.

Unsere Fähre "Theophilos" lag am Pier und wir konnten sogar schon an Bord. Wir fanden oben am Heck der Fähre einen schönen Aussichtsplatz, um dem Treiben am Hafen zuschauen zu können. Nach einer Weile bezog sich der bislang blaue Himmel und eine gelbliche Wolkenwand schob sich über Athen zum Hafen herunter. Ein mächtiger Wind kam auf und ließ die Liegen und Stühle an Bord umherkreisen. Nur mit Mühe konnte das Schiffspersonal verhindern, daß diverse Dinge über Bord gingen. Bald darauf regnete es so stark, bis das Wasser wadentief auf dem Deck stand. Wir hatten uns längst eine Etage tiefer verkrümelt, denn oben war es mehr als ungemütlich. Das Ganze erinnerte mich mehr an Helgoland im Herbst. Nachdem die Fähre abgelegt hatte, gab es draußen auch nicht mehr viel zu sehen. Nach einem Zwischenstopp im Hafen der Insel Hios sahen wir im Morgengrauen die Insel Lésvos wie ein Schild im Wasser liegen. Bald konnten wir vertraute Einzelheiten erkennen und unsere Unruhe endlich anzukommen, steigerte sich immer mehr. So etwa um 7.00 legte die Fähre im Hafen von Mytilini an.

Jetzt stand uns noch eine 40 km lange Fahrt bis Plomári, unserem langjährigen Ferienort, bevor. Die schmalen Bergstrassen erlauben keine hohen Geschwindigkeiten, man muß eben Zeit haben. Es mag so gegen 9.00 Uhr gewesen sein, als wir auf dem kleinen zentralen Platz von Plomári ankamen. Meine Frau saß im "Yellow Café" unseres Freundes Dimitri. Sie sah uns und kam uns freudig entgegen, um uns zu begrüßen. Dimitri, stolzer Besitzer einer Suzuki Bandit, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, auf welchem Gefährt wir diese Reise gemacht haben.

Auf der Insel werden noch recht viele 50er Zündapp gefahren, die teilweise bis zu 40 Jahre alt sind. Die Besitzer schwören auf diese Marke, da die Fahrzeuge, im Gegensatz zu denen, die heute angeboten werden, äußerst zuverlässig sind und selbst schwerste Belastungen in den Bergen aushalten. Viele Griechen glaubten, daß meine Maschine ein neues Modell wäre. Es ist den Leuten noch nicht zu Ohren gekommen, daß es diese Firma gar nicht mehr gibt.

In der folgenden Zeit leistete meine Zündapp wertvolle Dienste. Jeder entlegene Ort, sei es Bergdorf, klassische Ruine, einsamer Strand, Taverne oder Disco, waren nun jederzeit erreichbar. Die Zeit verging leider viel zu schnell und so mußten wir die Heimreise antreten.

Die Fähre von Lésvos nach Pireás ging wieder die Nacht hindurch. Als wir früh morgens nach draußen spähten, sah es nach allem anderen aus, nur nicht nach griechischem Sommerwetter. Zwischen Athen und Korinth braute sich ein mächtiges Gewitter zusammen. Bevor wir die Vororte von Athen verließen, erkundigten wir uns an einer Tankstelle über den möglichen Wetterverlauf. Mit der Information, daß sich das Unwetter nach Süden verziehen würde, fuhren wir beruhigt los. Doch es wurde immer schlimmer. Gewaltige Blitze umzuckten uns in der Region von Mégara und wir fanden gerade noch Unterschlupf unter einer Autobahnbrücke. Es regnete dermaßen, daß die KS 80 schließlich in einem reißenden Wasserstrom stand und mehr einem Motorboot glich. Dabei drehte sich das freistehende Vorderrad wie eine Mühle. Nach mehr als 2 Stunden konnten wir endlich weiterfahren. Bald schien wieder die Sonne auf unserer Fahrt nach Pátra und unsere klammen Anzüge trockneten schnell. Kurz vor Mitternacht legte unsere Fähre nach Triest ab, wo wieder nach 36 Stunden am 03.08. gegen 9.00 Uhr ankamen.

Zurück fuhren wir jetzt die Autobahn über Villach und Salzburg, weil wir glaubten so schneller voranzukommen, denn wir wollten am gleichen Tag wieder bei Adele und Klaus in Kaufbeuren sein.

Erst war das Wetter sehr schön und wir konnten im T-Shirt fahren. Damit war es nach dem Tauerntunnel schlagartig vorbei. Ein Hagelschauer begrüßte uns – es war alles weiß um uns herum – der erste Stau wegen Eisglätte! Der Verkehr wurde allmählich wieder fließender und so kamen wir nach Deutschland. Zwischen Rosenheim und München ging wieder nichts mehr. Pechschwarze Wolken standen am Himmel und wir verließen die Autobahn bei Irschenberg, um über Bad Tölz auf der 472 südlich von München nach Kaufbeuren zu gelangen. Doch was erwartete uns! Der vor uns niedergegangene Hagel hatte im Umkreis von etwa 40 km derartig viel Laub von den Bäumen geschlagen, sodaß wir wie im Spinat fuhren. Eine äußerst glitschige Angelegenheit! Aber wir schafften es, wenn auch mit viel Verspätung bis zu unserem Ziel, wo unsere Freunde besorgt warteten.

Die weitere Fahrt am nächsten Tag bis Hannover verlief reibungslos. Nur das Wetter hätte besser sein können. Besonders kalt war es in der Rhön. Wir mußten mehrfach zum Aufwärmen anhalten.

Insgesamt hatte uns diese Art zu reisen begeistert. Die KS 80 wirkte auch wie eine Zeitmaschine, denn durch die vielen Erlebnisse während der Reise, kam uns der Urlaub erheblich länger vor.

Vor meiner zweiten Tour nach Lésvos frozzelte kein Kollege mehr. Doch diesmal fuhr ich allein. Die Gebühren der Fähre von Triest nach Patras und zurück, für Deckpassage und Motorrad, betrugen nur noch 131 Euro und waren damit fast 10 Euro günstiger als im Vorjahr.

Am 20.06.2002 startete ich gegen Mitternacht, schlief einige Stunden auf einem Parkplatz in der Rhön, um dann wegen des weniger starken Verkehrsaufkommens über Ulm und Augsburg zu fahren. Schon um 11.30 Uhr war ich im Raum München. Das geringere Gewicht gegenüber dem Vorjahr machte sich stark bemerkbar, außerdem war die Leistung durch eine neue Vergaserbedüsung deutlich verbessert worden.

Interessant war auf dieser Fahrt, daß mich morgens in der Rhön 6 Harleyfahrer aus Schweden überholten.

Dieser Truppe begegnete ich mehrfach, denn etwa an jeder zweiten Tankstelle sah ich sie, während ich bis zur Grenze nur einmal tankte.

Dieses Mal wollte ich unnötige Autobahngebühren durch Österreich vermeiden und so ging es Richtung Innsbruck bis Kufstein-Süd, um auf der Landstraße über Kitzbühel und Lienz nach Italien zu fahren. Meine erste Kletterpartie war Paß Thurn, der immerhin 1274 m hoch ist. Die kleine Zündapp machte das bravourös. Der Felbertauerntunnel kostete mich 8 Euro und der Plöckenpaß war tagsüber herrlich zu fahren. Mit ihrer Handlichkeit ist die KS 80 genau das Richtige für diese gewundene Paßstraße. So kam ich gegen 16.30 Uhr nach Italien und übernachtete im Bikerhotel "Galles" in Paluzza. Hier lernte ich nette Leute kennen, unter anderem zwei hartgesottene Burschen, die mit ihren BMW GS die Berge erkundeten. Die Reststrecke bis Triest war eigentlich nur noch ein Katzensprung von 174 km.

In Tolmezzo traf ich meine Harleytruppe wieder und wurde von den Jungs mit großem Hallo empfangen. Sie hatten aber italienische Reiseziele und so trennten sich unsere Wege.

Als ich von der Autobahnschleife oberhalb von Triest inmitten der Hafenanlage meine Fähre "Eleftherios Venizelos" sah, bekam ich vor Freude ein eigenartiges Gefühl in der Brust. Ziemlich chaotisch ging es im Hafen zu. Weil das Schiffspersonal in den letzten Tagen im Streik stand und daher keine Abfertigungen stattgefunden haben, war der Andrang sehr groß. Ferner veranlasste die gerade laufende Fußball-WM eine recht große Anzahl türkischer LKW-Fahrer mit ihren Fahrzeugen eine rollende Hup-Parade im Hafengelände zu veranstalten, nachdem ein Spiel für sie glücklich verlaufen war. Die Überfahrt erfolgte bei schönstem Wetter und da sich die Abfahrtzeit auf 18.00 Uhr geändert hatte, erreichten wir Pátra am frühen Morgen des übernächsten Tages und dadurch entfiel die bisher notwendige Übernachtung auf einem Campingplatz.

Im Hafen von Pireás lag die "Theophilos" am gleichen Platz wie im Vorjahr, aber ich hatte noch viel Zeit im nahe gelegenen Kafeneion zu verbringen. Als endlich die Zeit des Eincheckens da war, konnten wir wegen einer Bombendrohung nicht an Bord! Der Anlegevorplatz füllte sich mit Menschen und Fahrzeugen aller Art und ich befand mich inmitten eines unglaublichen Palavers. Wir warteten mehr als 2 Stunden, dann konnten wir endlich auf die Fähre. Man hatte nichts gefunden. In einer solchen Situation schließt man sehr schnell Kontakte und so war auch die Überfahrt nach Lésvos sehr unterhaltsam. Als ich dann endlich in Plomári ankam und auf den kleinen Platz in der Ortsmitte zurollte, sprang plötzlich ein Mann vor das Motorrad und breitete seine Arme aus. Es war unser Freund Panagiótis – er hatte schon den ganzen Morgen auf mich gewartet.

Auch dieser Urlaub verging wieder viel zu schnell. Bevor ich aber Griechenland verließ, besuchte ich unseren Freund Antónis, einen Fischer, der in Amaliáda lebt. Dieser Ort liegt ca. 100 km südlich von Pátra in der Nähe von Olympia. Wir hatten uns seit 18 Jahren nicht mehr gesehen. Die Wiedersehensfreude und das gesellige Zusammensein läßt sich kaum beschreiben.

Keine Zwischenfälle und auch keine Unwetter beinträchtigten meine Rückfahrt am 20.07., die über die gleiche Route führte und sich als ideal erwiesen hat. Die Entfernung Triest-Hannover beträgt hier nur 1097 km und ist bezüglich der geringen Gebühren für die Autobahntrecke Triest/Tolmezzo und den Felbertauerntunnel am preiswertesten. Ohne Übernachtung fuhr ich bis Hannover durch. Wenn es in den deutschen Mittelgebirgen bloß nicht immer so kalt wäre!

Übrigens, im Sommer 2003 geht es wieder nach Griechenland!

Götz von Lojewski